Kommunales Kino Metropolis, Steindamm 52/54
Kuratierung & Texte: Thomas Tode


Donnerstag, 03. September 19.00

Hommage an La Sarraz — Moderne des Films


Len Lyes erster Film Tusalava (GB 1929, 9’) zielt darauf, niemals zuvor
gesehene Kreaturen entstehen zu lassen, den »Anfang allen organischen
Lebens« in Gestalt von mikroskopisch kleinen Fresszellen und
Antikörperchen. Der Klassiker des Surrealismus Un Chien Andalou (F
1928, 17’) von Luis Buñuel und Salvator Dali, mit unvergesslichen enigmatischen
Bildern: das Durchschneiden des Augapfels, die aufs Klavier
gebundenen, von Jungpriestern gezogenen Maultiere, die machtlose
Hand, abgehackt auf der Straße liegend, die im Türspalt eingeklemmte
Hand, von den Ameisen der Schuld übersät. Man Rays L’Etoile de mer (F
1928, 12’) verfilmt mit z.T. bewusst unscharfen, verschwommenen Bildern
ein Gedicht voll erotischer Phantasie von Desnos, mit dem Seestern
als dem Symbol einer ozeanischen Liebe.
Joris Ivens’ De Brug (NL 1928, 11’) schwärmt für Stahlgeflecht und
Eisennieten einer Bahnbrücke. James Sibley Watsons The Fall of the
House of Usher
(USA 1928, 12’) konstruiert aus mehrfach übereinander
belichteten Bildschichten und expressionistischen Dekors Edgar Allen
Poe‘s Kurzgeschichte und läßt das Gefühl der Verfolgung rein visuell
entstehen. Germaine Dulacs La Coquille et le Clergyman (F 1926, 28’)
ist ein schonungsloser Angriff auf die Kirche mit Freudscher Munition.