Kommunales Kino Metropolis, Steindamm 52/54
Kuratierung & Texte: Thomas Tode


Montag, 07. September 19.00


Hans Richter — Absoluter Film im Bauhaus

Hans Richter zeigte im Juni 1930 an drei Abenden im Bauhaus Avantgarde-
Filme, u.a. seine eigenen abstrakten Filme Rhythmus 21 (D 1921,
2’), Rhythmus 23 (D 1923, 3’) und der Film seines verstorbenen Freundes
Viking Eggeling Diagonal Sinfonie (D 1923/24, 4’). Bezeugt werden
diese Titel durch Kandinsky und Malewitsch. 1927 heiratet Richter die
frühere Bauhausstudentin Erna Niemeyer, Schülerin von Johannes
Itten, die bei Richters Projekt Filmstudie (D 1928, 4’) aktiv mitarbeitet:
Sie verbinden dort erstmals abstrakte Formen mit konkreten Naturobjekten.
Werner Graeff, ein junger Schüler aus Doesburgs Klasse am Bauhaus,
wird Richters treuer Schüler, Assistent und Freund. Er zeichnet
1922 eigene, erst in der Nachkriegszeit als Film realisierte Partituren:
die mit farbigen Formen arbeitende Filmkomposition I/22 (D 1922/77,
2’) und die schwarz-weiße Filmkomposition II /22 (D 1922/59, 3’). Als
Schauspieler wirkt Graeff in Richters Vormittagsspuk (D 1928, 7’) mit,
der den Aufstand der Dingwelt gegen den Menschen dadaistisch in
Szene setzt. Auch seine anderen, bis 1930 fertiggestellten Avantgardefilme
wird Richter im Bauhaus gezeigt haben: Inflation (D 1928, 3’),
Rennsymphonie (D 1928, 7’), Alles dreht sich, alles bewegt sich (D
1929, 8’), Zweigroschenzauber ( D 1929, 3’). Zu Miklos Bandys und
Stella Simons Experimentalfilm Hände (F 1929, 13’) steuerte Richter
einige Bilder bei. Zusätzlich zeigen wir Richters musikalisch montierten
Film Hallo Europa Radio (NL 1931, 25’), der im Auftrag von Philips für
das neue Medium Radio warb.