CINEPOLIS  Film und Architektur im Metropolis Kino und an weiteren Hamburgischen Spielorten
Samstag, 19. August, 21:00 Uhr

BRENNENDE HÄUSER
artfinder Galerie, Admiralitätstr. 71 (Hinterhof 3. OG)
»Die Architektur muss brennen«, so proklamierte es einst das Architekturbüro Coop Himmelb(l)au. Gemeint war damit jedoch eher das Selbstverständnis einer radikalen neuen Architektur, die sich wie ein Stachel ins Fleisch bohrt – keineswegs misszuverstehen als Aufruf zur kollektiven Brandstiftung. Formen der kollektiven Brandlegung finden sich hingegen im Film: Sean Roggs Wood (S 2003, 20’, DVD) folgt einem in Schweden tradiertem Ritual, das noch heute in manchen ländlichen Regionen zur Anwendung kommt. Hat ein minderjähriges Kind ein Verbrechen begangen und ist verurteil worden, wird es nicht in ein Gefängnis überstellt. Stattdessen statuiert die staatliche Feuerwehr ein Exampel und brennt in einer Art Zeremonie das Elternhaus ab. Dies geschieht als Mahnung an alle Eltern, auf ihre Kinder besser aufzupassen. Volko Kamenskys Alles was wir haben (D 2003, 25’, DVD) beschäftigt sich mit einem Erinnerungs-Ort an sich, dem Heimatmuseum von Rotenburg/Wümme. Das Heimatmuseum, das in seiner Historie mehrfach abbrannte und nur durch Engagement der Bürger immer wieder neu ins Leben gerufen werden konnte, verkörpert die Notwendigkeit zu wissen, dass ein Ort existiert, an dem lokale Geschichtsschreibung stattfindet und an dem jeder einzelne seine lokalen Wurzeln entdecken könnte. In Reynold Reynolds/Patrick Jolly Burn (USA 2001, 10’, DVD) sehen die Protagonisten scheinbar ungestört zu, wie ihnen das Haus über dem Kopf, das Hemd auf dem Körper abbrennt. Die absurd-hilflose Isoliertheit der Protagonisten, gefangen in ihrer eigenen Welt, erscheint jedoch schon bald beunruhigender als das flammende Inferno um sie herum. Außerdem weitere Filme zum Thema. Einführung: Mathias Güntner