Kommunales Kino Metropolis, Steindamm 52/54
Kuratierung & Texte: Thomas Tode


Mittwoch, 09. September 19.00

Bauhaus und Politik
Kontext und Reformbewegung


Die sozialen Ideen des Bauhauses wurden aus der Novemberrevolution
1918 gespeist. Es gilt als die einzige konkrete Materialisierung der Ideen
des Berliner »Arbeitsrat für Kunst«, dem auch Walter Gropius und Bruno
Taut angehörten. Das zweite Internationale Sozialistische Jugendtreffen
in Wien 12. bis 14. Juli 1929
(A 1929, Tonfassung 1979, 13’) von
Adolf Loos, Josef Ambor und Hans Glück, ein PR-Film der Sozialdemokratie,
zeigt die trainierten Körper, das Völkerverbindende, die Fahnenvielfalt,
das Gemeinschaftserlebnis, die fließenden Grenzen zwischen Elite
und Basis, den Glauben an die eigene Kraft, das Greifbare der Zukunft.
Walter Ruttmanns und Julius Pinschewers Trickfilm Der Aufstieg (D
1926, 4’) wirbt in rasant wechselnden, z.T. abstrakten Formen für die
Düsseldorfer Ausstellung GESOLEI (Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge,
Leibesübungen), den Reformbestrebungen des modernen Urbanismus
verbunden. Die Architekten Maximilian von Goldbeck und Erich Kotzer
entwerfen in Die Stadt von morgen – Ein Film vom Städtebau (D 1930,
33’) erstmals eine funktional gegliederte Stadt und formulieren Grundprinzipien
des modernen Städtebaus. Am Modell einer gedachten, in
Trickbildern und Realaufnahmen vorgestellten Stadt zeigen sie, wie
unsere Städte sein könnten, wenn eine vorausschauende Planung ein
organisches Wachsen nach dem idealen, funktionellen Stadtschema
gewährleisten würde. Jean-Marie Straubs und Danièle Huillets Einleitung
zu Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene
(D
1972, 16’) kreist um die der Partitur aufgebrachte Beischrift »Drohende
Gefahr, Angst, Katastrophe«, u.a. wird ein Brief Schönbergs an Kandinsky
verlesen, in dem der Komponist eine Berufung an das Dessauer
Bauhaus aufgrund zunehmender antisemitischer Tendenzen in Deutschland
ablehnt. Walter Heges Die Bauten Adolf Hitlers (D 1938, 16’) zeigt,
dass das Bauhaus in der Nazizeit als Schimpfwort und abzulehnende
»entartete« Kunst gilt. Martin Engelhardts Bauhaus Dessau 1926-1932
(DDR 1989, 8’) entstand ganz am Ende der DDR, deren offizielle Stellen
zeitweilig eine zwiespältige Position zum Bauhaus unterhalten hatten.