Frappant (Ex-Karstadt-altona), Große Bergstraße 174

Freitag, 11. September, 19.00
Eröffnung
Gentrification in Hamburg


Empire St. Pauli – von Perlenketten und Platzverweisen
(D 2009, 85’, Mini-DV) von Irene Bude und Olaf Sobczak

Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli war lange auch der ärmste.
Mittlerweile leben und arbeiten hier jedoch immer mehr Gut- und Bestverdienende.
Die sozialen Gegensätze verschärfen sich. Der Film zeigt,
dass St. Pauli nicht nur als Ausgeh- und Amüsierviertel, sondern vor
allem als Wohn- und auch Wirtschaftsstandort attraktiv geworden ist.
Altbauten verschwinden oder werden aufwändig saniert, das Mietniveau
steigt rasant, Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen
umgewandelt. Wer sich wehrt oder nicht mehr in das neue Bild passt,
wird des Ortes verwiesen – direkt oder indirekt. Empire St. Pauli zeigt
den Gentrifizierungsprozess exemplarisch am Großprojekt des Brauquartiers
auf. Auf dem ehemaligen Brauereigelände wurden über 350
Millionen Euro investiert, der Astra-Turm wurde abgerissen und wieder
aufgebaut. In das Bürogebäude »Atlantic-Haus« ist Deutschlands größte
Werbefirma BBDO eingezogen, hochwertige Genossenschaftswohnungen
und das Hotel »Empire Riverside« sind entstanden. Einkommensstarke
Haushalte ziehen in die neuen Wohnungen. Mit den Tanzenden
Türmen kündigt sich schon das nächste Großprojekt mit »St. Pauli
– affiner Nutzung« an: dort wird neben Büroetagen im obersten Stockwerk
eine Gastronomie sein, »wo sich vielleicht nicht jeder Bewohner
St. Paulis ein vollständiges Essen leisten kann, sicher aber genussvoll
sein Bier trinken kann.«
Vorfilme: Abwertungskit (D 2009, 7’, OF) von
Es regnet Kaviar, Aktionsnetzwerk gegen Gentrification und Die Stadt
gehört allen
(D 2009, 15) von Feuerloescher TV, Skrollan Alwert
Am 13. Juni 2009 demonstrieren unter dem Motto »Die Stadt gehört
allen!« tausende Künstler und Bürger gegen die zunehmende Gentrification
ihrer Viertel in Hamburg. Sie fordern dabei u.a. bezahlbaren
Wohn- und Arbeitsraum.

Einführung: Britta von Heintze im FRAPPANT
(Ex-Karstadt-Altona) Gäste: Skrollan Alwert, Olaf Sobczak
   
 
 
 
                                   
 

Freitag, 11. September, 21.15

Das Gebäude als Skulptur
Gordon Matta Clark / Il Palazzo

Der amerikanische Künstler Gordon Matta Clark (1943-78) war ausgebildeter Architekt, arbeitete aber niemals in diesem Beruf. Anstatt neue Gebäude zu entwerfen, begann er, bereits existierende Bauten zu verändern. Bekannt wurde er Anfang der siebziger Jahre durch seine »Cuttings«, radikal durchgeführte Schnitte an verlassenen Häusern. Wir zeigen Bingo/Ninths (USA 1973, 10‘, OF, 16mm), Splitting (USA 1973, 11‘, OF, 16mm) und Freshkill (USA 1972, 13‘, OF, 16mm), Il Palazzo (A 2006, 45’, OmU) von Katharina Copony. An der Peripherie Roms liegt der riesige monolitische Wohnkomplex Corviale, ein sozialer Wohnbau der 70er Jahre. Über einen Kilometer Länge erstreckt sich dieser verworfene Betonkomplex, in dem das Scheitern städteplanerischer Utopien Gestalt geworden ist: 8000 Menschen, zuerst vertrieben aus den Innenstädten Roms und dann sich selbst überlassen in Corivale. Aber sie haben sich arrangiert, selbst Hausbesetzter gibt es dort.

Einführung: Mathias Güntner im FRAPPANT (Ex-Karstadt-Altona)
Anschließend Party mit DJ & Bar.