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Frappant (ex-Karstadt-altona), Große Bergstraße 174
Sonntag, 13. September, 19.00
Living Fourier – Do The Phalanstère
Der Architekt Philip Hubert hat sein Konzept vom bezahlbaren Wohnraum
in der wachsenden Stadt New York durch Verkäufe von Wohneinheiten
in einem von ihm unter dem Namen »Hubert Home Clubs« initiierten
Wohnungsprojekt verwirklicht. Damals wusste er wahrscheinlich
nicht, dass eines seiner Projekt, nämlich »The Chelsea«, eines Tages
zur weltbekannten Künstlerresidenz werden würde. Seine Idee knüpfte
an die Vorstellungen des französischen Utopisten Charles Fourier an.
In der Geburtsstunde des französischen Sozialismus entwickelte dieser
ein Modell, das so genannte »Phalanstère« (aus gr. Phalanx =
»Kampfeinheit«). Sie sollte die Struktur und den Raum bieten in der
seine Vision einer »harmonischen Gesellschaft« fruchten konnte.
Huberts Vater war sogar der Architekt einer dieser Versuche ein Phalanstère
zu verwirklichen, ist aber nach dessen scheitern mit seiner Familie
nach Amerika emigriert, wo er mit seinen Söhnen zunächst eine
Holzhütte am Fluss in Cincinatti gebaut hat. Hubert führte als Kind ein
recht privilegiertes Leben, erfuhr später aber auch am eigenen Leib, wie
hart das Leben unter einfachen Bedingungen sein kann. Er nutzte diese
Erfahrungen, um den Bewohnern seiner Häuser mehr Komfort zu dennoch
niedrigen Preisen zu bieten. Das Nutzen von Gemeinschaftsflächen
und das Teilen von Dienstleistungen, wie Reinigung und Müllentsorgung,
haben Eigenschaften des Hotelmanagements auf gemeinschaftliche
Wohnzwecke angewendet – und das Konzept war erfolgreich.
Das Chelsea war eines von acht Projekten, die in New York unternommen
worden sind, bis es 1908 aus ökonomischen Gründen verkauft
und als Hotel weiterbetrieben wurde. Stanley Bard, der das Management
des Hotels 1955 von seinem Vater übernahm, teilte ähnliche idealistische
Vorstellungen wie Hubert: Für ihn waren es vor allem die Künstler,
die Unterstützung durch günstigen Wohnraum brauchten. Bewohner
wie Leonard Cohen, Bob Dylan, Jimi Hendrix, Arthur C. Clarke und Jasper
Johns, um nur einige zu nennen, machten das Hotel berühmt. Doch im
Chelsea durften auch weniger bekannte Mieter für wenig Geld bleiben,
oder sie zahlten gar mit Kunstwerken. Auch an spektakulären Ereignissen
mangelt es dem Chelsea nicht, man denke nur an den Mordfall
Nancy Spungen im Zimmer von Sid Vicious, dem Bassisten der Punkband
»Sex Pistols«. 2007 wurde Bard durch die rabiaten Kommerzialisierungspläne
einer neuen Investmentmanagerin fristlos entlassen.
Proteste der Bewohner gegen dieses Vorhaben wurden durch Aktionen
und Blogs medial wirksam gemacht. Ein Teilerfolg erlebten die Protestierende
im Juli 2009 – die »Hexe« ist Pleite gegangen – jetzt müssen
nur die Bards zurückkehren. Wir zeigen drei Filme, die fragmentarisch
die fourierische Verbindung zum Chelsea Hotel aufgreifen.
The Chelsea (USA 1993, 67’, OF) von Doris Chase.
Mit einer Mischung aus Kunst, Musik und Literatur, Interviews und Partys
kombiniert die vor kurzem verstorbene Künstlerin Doris Chase ihre
persönlichen Eindrücke von der Künstlerkolonie in der sie jahrelang
residierte. »It's an experience a bit like peering through uncurtained
windows at dusk. Chase puts this personal account together, not of
fame or fortunes made or missed in the Chelsea, but of how creative
people live together.«
Einführung: Mehmet Alatur im FRAPPANT (Ex-Karstadt-Altona, Große Bergstraße 174, 22767 Hamburg) |
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