Kommunales Kino Metropolis, Steindamm 52/54

Freitag, 18. September, 17.00


FRUST AM BAU

Concerts of Wills – Making the Getty Center (USA 1997, 100’, OF)
von Susan Froemke, Bob Eisenhardt und Albert Maysles.
Über einen Zeitraum von 12 Jahren gefilmt, verfolgt der Film den Bau
des akropolisartigen Getty Centers, eines Museums- und Bibliotheksgeländes
in der hügeligen Landschaft von Brentwood, Los Angeles, in der
unmittelbaren Nachbarschaft von Arnold Schwarzenegger. Die Stellen,
an denen der Architekt Richard Meier, bekannt für seine modernistischen
Bauten in weiß, durch diversen Instanzen zu Kompromissen
gedrängt wird, bilden das Drama des kreativen Prozesses, das Maysles’
Crew festhält. Aus 200 Stunden Material hat der auch als Architekt ausgebildete
Filmcutter Bob Eisenhardt den Film dann geschnitten: »Es
war eine monumentale Aufgabe, aber aus all dem Material sind kleinere
Erzählungen entstanden. Es war wie ein Puzzle, das in einer ähnlichen
Art und Weise zusammenkam wie die Bauten.« Erstaunlich ist, dass der
Auftraggeber Getty den Film trotz seines kantigen Ablaufs durchgehen
lies. Concert of Wills präsentiert die Übereinkunft von sich widersprechenden
Herangehensweisen und Eitelkeiten.
Das Ergebnis: ockerweiß.

Einführung: Mehmet Alatur
   
 
                                   
 

Freitag, 18. September, 19.00

Das Lied der Grossstadt

Handsworth Songs (GB 1986, 59’, OF) von John Akomfrah. Preisgekrönter
filmischer Essay über die schweren Rassenunruhen in Handsworth,
einem Vorort von Birmingham. Vielschichtigkeit, Subjektivität
und Rückkopplung zwischen den Medien zeichnen Akomfrahs Analyse
aus. Handsworth Songs ist ein Filmessay über Rasse, Ideologie und
Topologie von Kampf und Macht. Er ist lyrisch, poetisch und leidenschaftlich.
Man müsste zu der einflussreichen Dokumentarfilm-Bewegung
im Großbritannien der 30er Jahre zurückkehren, um eine ähnlich
komplexe Palette zu finden: formales Experiment, politischer Wille, kollektive
Arbeit, breiter Publikumsanklang und starke Emotionen. Der Film
verwendet Archivmaterial der ersten Immigrantenwelle aus den 50er
Jahren und verknüpft Interviews mit der offiziösen Fernsehberichterstattung,
um die Idee zu vermitteln, dass Sprache, Erinnerung und kulturelle
Fantasie die einflussreichsten und am schwersten definierbaren
Elemente des schwarzen Kampfes sind. Der Film ist auch ein »Song« –
eine kulturelle Form, die so tief wie die Analyse geht und dabei viel wirkungsvoller
sein kann. Produziert vom Black Audio Film Collective, das
– auch in anderen Filmen – die formalen Strategien der Avantgarde in
den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt. Einer der provokantesten und
bedeutendsten Filme der letzten Jahrzehnte.
Vorfilm: City West Revisited (D 2006, 13’, OF) von Ulf Staeger.
Der Film zeigt die urbanen Veränderungen im ehemaligen Stadtzentrum
Westberlins (Kudamm/Zooviertel) innerhalb der letzten 35 Jahre. Er
stellt alte Aufnahmen u.a. der Stadtchronisten Hans Jähner und Kurt
Kopplek einer aktuellen Ansicht der Straßenzüge gegenüber, vermischt
sie teilweise in einem einzigen Bild.

Einführung: Thomas Tode

   
 
 
                                   
 

Freitag, 18. September, 21.15

Adolf Loos for ever

Nach Loos Ornamental (A 2008, 72’, OF) von Heinz Emigholz.
Emigholz’ Prinzip, Häuser mit wenigen starren Kameraeinstellungen
und meist schrägem Bildausschnitt zu portraitieren, mag dokumentarisch
aussehen. Es schafft aber kein reines Abbild der Bauten von Adolf
Loos (1870-1933), sondern zeigt seinen subjektiven Blickwinkel und
seinen nach eigenen ästhetischen Prinzipien gewählten Bildausschnitt.
Schnitt für Schnitt erfahren wir Emigholz’ filmisches Nachempfinden
der Räume und damit seinen dezenten Kommentar, seine Deutung der
Architektur in ihrem heutigen Zustand.
Danach zeigen wir als Kinopremiere: Ornament und Verbrechen von
Adolf Loos
(1908) gelesen von Carola Regnier (D 2004/09, 30’, OF) von
Heinz Emigholz und Benjamin Krieg.

Einführung: Olaf Bartels
Gäste: Heinz Emigholz, Carola Regnier