Kommunales Kino Metropolis, Steindamm 52/54

Samstag, 19. September, 16.30

Backsteinkultur International
N 12°13,062’/W 001°32,619’ Extended

(B/Burkina Faso 2005, 9’, nur Geräusch) von Vincent Meessen.
Der Titel dieses preisgekörnten Films besteht aus den GPS-Koordinaten
eines real existierenden Ortes in Afrika; geographisch präzise und
zugleich abstrakt wie auch die beeindruckende Ästhetik des Films.
Zwei Männer durchstreifen eine unverortete Wüstenlandschaft, aus
Mauerreste ragen, schaufeln, schachten aus; Mauern aus Lehmziegeln.
Ist ein im Entstehen begriffener Stadtraum oder eine archäologische
Grabungsstätte? Der Film entwirft gewissermaßen das Negativ-Portrait
einer (potentiellen) Stadt. Großer Preis der Kurzfilmtage Oberhausen
2006 »für seine bewegende Darstellung von Archäologie als abstraktem,
negativem Raum, seine starke Visualität, seine eindringliche Tonlandschaft
und die elegante Behandlung von Strategien von Raum und
Zeit«.
Zum Vergleich (D/A 2009, 61’, OF) von Harun Farocki.
Der Backstein ist das kleinste und älteste Fertigteil der Welt. Wie Ziegel
hergestellt werden – das ist in allen Kulturen bekannt. Harun Farocki ist
den unterschiedlichen Arten der Backsteinproduktion und den damit
verbundenen Hausbautechniken nachgegangen; in Afrika, in Indien und
in Europa hat der Filmemacher Menschen und Maschinen bei der Fertigung
und Verarbeitung der Steine mit der Kamera beobachtet. In Kooperation
mit der Hamburgischen Architektenkammer findet im Zusammenhang
mit der Filmvorführung eine Podiumsdiskussion statt: Harun
Farocki (Filmemacher), Anupama Kundoo (Architektin in Berlin und
Auroville/Indien), Diébédo Francis Kèrè (Architekt in Berlin und Gando/
Burkina Faso) (angefragt), Ingrid Spengler (Architektin in Hamburg)
(angefragt).

Einführung und Diskussionsmoderation: Olaf Bartels,
Gäste: Harun Farocki, Anupama Kundoo u.a.
Kooperationsveranstaltung mit der Hamburgischen Architektenkammer
   
 
 
                                   
 

Samstag, 19. September, 19.00

Ballett mechanique
The Solitary Life of Cranes
(GB 2008, 28’, OF) von Eva Weber. Teils
»City-Sinfonie«, teils visuelles Gedicht – 24 Stunden im Leben einer
Stadt (London) aus der Perspektive von Kranführern, die Philosophen
sind. Jörg Wagners Terminal (D 2009, 9’, DF, 35mm) porträtiert
Arbeitsabläufe in einem Containerterminal in einer poetisch-musikalischen
Bild-Ton Collage. Musik: Felix Kubin.
Paris, roman d’un e ville (F 1991, 52’, DF) von Stan Neumann. Zur Zeit
der Revolution war Paris noch nicht von mittelalterlichen Strukturen
geprägt. Hundert Jahre später galt sie als Modellstadt, die als Maßstab
für die Beurteilung der anderen europäischen Städte herangezogen
wurde. Anlässlich des hundertsten Todestages von Baron Haussmann,
begibt sich der Kunsthistoriker Francis Loyer auf einen Streifzug durch
die Stadt, auf der Suche nach Details, die uns so bekannt sind, dass wir
sie überhaupt nicht mehr wahrnehmen: hölzerne Rollläden, eine Straßenecke,
ein Fassadenrelief. Für gewöhnlich wird die Stadtplanung von
Hausmann als Vorläufer der modernen Stadtzerstörung gesehen.
Einführung: Britta von Heintze & Olaf Bartels

   
 
                                   
 

Samstag, 19. September, 21.15

Utopische Räume:
I have seen the future

Utopia (D 2009, 8’, OF) von Estela Estupina Garcia. Dieser Found Footage
Film benutzt ausschließlich Material aus dem Filmarchiv der Neuen
Heimat. Er greift den Gedanken der damaligen Planer und Architekten
auf, perfekte Bauwerke errichten zu wollen ...
Ein Wohnhaus in Ginnheim bei Frankfurt/M. Entwurf Ernst May
(D 1926, 6’, OF) von Paul Wolf. Der erst kürzlich wiedergefundene und
restaurierte Film zeigt das selbstentworfene Privathaus
des berühmten Frankfurter Stadtbaurats Ernst May.
Poème électronique (NL 2006, 12’, nur Musik) zeigt den von Le Corbusier
und Iannis Xenakis entworfenen Philips-Pavillon der Brüssler Weltausstellung
1958 in einer Computerrekonstuktion von Vincenzo Lombardo,
Kees Tazelaar, Andrea Valle und Stefan Weinzierl. Le Corbusier baute
ein »Gefäß«, das als temporäre äußere Hülle und Projektionsleinwand
für eine Multimedia-Präsentation im Inneren dienen sollte – Filmbilder,
die zu einer experimentellen Musik von Edgar Varèse laufen, und zeigen
wollten, wie unsere zunehmend mechanisierte Kultur nach einer Harmonie
in der Zukunft strebt.
Le Corbusier au Mistral (D/F 2005, 6’, stumm) von Milena Gierke.
»Nachmittagshitze in Marseille gepaart mit stürmischem Mistral-Wind.
Ich liebe das Bauhaus und filme einen großen Komplex von Le Corbusiers,
Unité d'habitation, in dem es anfänglich außer Wohnungen auch
Geschäfte, Hotel, Kindergarten und alles Notwendige gab. Das für mich
Interessante ist aber vor allem die dreidimensionale Gesamtskulptur
aus Beton fragmentarisch, filmisch abzutasten und dabei die natürliche
Kraft des Mistrals zu erleben.« (M. Gierke).
War and Architecture (D 2009, 8’, OF) von Ben Jakobs behandelt die
Gemeinsamkeiten zwischen Architektur und moderner Kriegsführung.
Die kalten, abstrakten, klinischen und inhumanen Begriffe, die in der
Architektur verwendet werden, erinnern stark an die der modernen
Kriegsplanung. Die gezielte Bildbearbeitung (u.a. Rückwärtslauf) verändert
das Zeitgefühl. Das Bildmaterial entstammt dem Filmarchiv der
Großbaugesellschaft Neue Heimat.
bühne: wolfsburg (D 2009, 15’, OF) von Arne Bunk zeigt die Produktion
von urbanem Raum am Beispiel der Stadt Wolfsburg. Die Bilder changieren
zwischen filmischer Bewegung und fotografischem Stillstand. Uncle
Yanco (F 1967, 22’, OmeUT) von Agnès Varda. Die Filmemacherin
besucht ihren philosophierenden Hippie-Onkel, der in San Francisco in
einer schwimmenden Bretterstadt lebt: die gelebte Utopie von der
Aquatic suburb.

Einführung: Thomas Tode